Interview mit Christian Traber im Zürich 2 vom 9. August

Fleissigster Leimbacher will CVP wieder ins Parlament bringen

von Stefanie Käser

Jetzt hat er weniger zu tun: Seit März ist Christian Traber nicht mehr im Zürcher Gemeinderat. Trotzdem hat der Leimbacher weiterhin in vielen Angelegenheiten seine Hände im Spiel.

Im Herzen von Leimbach, in der Quartierbeiz «Zum Hüsli», findet das Gespräch mit Christian Traber, dem CVP-Alt-Gemeinderat aus dem Wahlkreis 1 und 2 sowie Quartiervereinspräsidenten von Leimbach statt. Bodenständig kommt er mit dem Roller; auch sonst macht er einen sehr ungekünstelten ersten Eindruck. Gar kein abgehobener Politiker – jemand, den man sich sehr gut als Familienmenschen vorstellen kann. Jemand, dem der jahrelange politische Erfolg nicht
zu Kopf gestiegen sein scheint. Obwohl er allen Grund dazu hätte. Denn ein unbekanntes Gesicht in der Umgebung ist er nicht.

Christian Trabers Leben ist seit den letzten Wahlen im März, bei der sich seine Partei CVP nicht mehr durchsetzen konnte und nun nicht mehr im Gemeinderat vertreten ist, ein bisschen zur Ruhe gekommen. «Aber langweilig ist mir bestimmt nicht», sagt der engagierte Leimbacher schmunzelnd. Neben dem  Quartierverein engagiert sich Traber immer noch in der Kirchenpflege und wieder öfter im Handball und Sport allgemein. «Meine Frau und ich machen oft sogenannte Zeitnehmereinsätze im Handball, das heisst, jemand stoppt laufend die Zeit und jemand notiert den Spielablauf livetickermässig mit.» Die Passion für diesen Sport scheinen die Eltern vererbt zu haben. Stolz erzählt der Familienvater, die ältere seiner beiden Töchter spiele seit fünf Jahren beim LK Zug in der Nationalliga A. Seit letzten Dezember gehöre sie zudem zum Kader der Frauen-Nationalmannschaft.

CVP muss am Ball bleiben
Weil der ehemalige Gemeinderat nun nicht mehr jeden Mittwoch im Zürcher Parlament sitzen muss, bleibt ihm vor allem abends mehr Freiraum, freut sich Traber: «Gestern zum Beispiel konnten wir am Abend zusammen mal wieder eine Runde jassen.» Dass er nun mehr Zeit für die Familie hat, komme auch seiner
Frau entgegen. «Ich habe vor vielen Jahren mal versprochen, mit der Wahl zum Quartiervereinspräsidenten in anderen Dingen kürzerzutreten. Meine Frau wirft mir heute noch vor, dass das nie passiert sei», lacht der Leimbacher verschmitzt. Sie sei auch mässig begeistert gewesen, als sie erfahren habe, dass ihr Mann
wohl noch einmal für den Gemeinderat kandidieren werde. Ginge es nur nach Traber, wäre die laufende Legislatur seine letzte gewesen. «Ich habe zwar schon gesagt, ich sei im Herbst meiner politischen Karriere angekommen. Aber für meine Partei ist es jetzt wichtig, im Gespräch zu bleiben. Das ist matchentscheidend, wenn wir 2022 wieder in den Gemeinderat wollen.» Man müsse versuchen, mit den bereits bekannten Namen, wozu er sich auch zähle, die Stimmen  zurückzuholen. Neue Leute bekannt zu machen, sei schwierig.

Der engagierte Politiker trifft sich weiterhin mit der alten Fraktion, die jeweils mindestens einmal im Monat zusammenkommt. Die CVP Stadt Zürich müsse ja weiterhin beispielsweise über Abstimmungsparolen befinden, so der Alt-Gemeinderat: «Es braucht eine Organisation, um die Präsenz in der Öffentlichkeit und in den Medien weiterhin zu garantieren – das ist eine Herausforderung, die wir unbedingt meistern müssen.»

Potenzial in der Politik sieht Traber nach wie vor. «Wenn es einem so gut geht wie in der Stadt Zürich, besteht eben die Gefahr, dass man vieles nur noch  verwaltet und nicht mehr gestaltet.» In der Schweiz gehe immer alles sehr langatmig vorwärts, kritisiert der gesprächige Quartiervereinspräsident. An seinem Amt in Leimbach schätze er die Unmittelbarkeit und die Nähe. Wie jedes Quartier habe auch Leimbach seine Probleme. Im Fokus seiner Agenda stehen im
Moment vor allem das Kapazitätsproblem der Schulen und die Integrations-Diskussionen rund um die Flüchtlinge, die seit zweieinhalb Jahren in Leimbacher Liegenschaften wohnen. «Man sollte jetzt vor allem die Mütter unterstützen im Umgang mit den Ämtern, den Schulen und so weiter.» Die anfängliche Aufruhr im Quartier wegen des Zuzugs der Flüchtlinge habe sich gelegt. Es gebe immer gewisse Leute, die schnell und viel aufbegehren, aber schliesslich würden sie dann doch nie in den Begleitgruppen auftauchen, bei der sie ihre Anliegen aufzeigen könnten.

«Ein Grüezi schätze ich»
Auch wenn Leimbach von den Stadtzürchern häufig ein wenig belächelt wird, sieht er in dieser Aussenseiterrolle seines Quartiers durchaus auch positive Aspekte: «Man ist auch gerne ein wenig für sich – man kennt sich hier und sagt sich noch Grüezi auf der Strasse – dieses Familiäre schätze ich eben.»

Die Vorliebe für das familiäre Zusammenleben hat den bald 55-Jährigen wohl zum Campen gebracht. Ihren Wohnwagen hätten sie im Mai und Juni jeweils fix auf einem Campingplatz am Sarnersee aufgestellt, schwärmt der gebürtige Wollishofer. Er strahlt, wenn er von seinem neuen Hobby, dem Stand-up-Paddeln, erzählt: «Endlich klappt es! Ich falle nur noch ins Wasser, wenn ich es auch will.» Auch sonst ist der Leimbacher gerne aktiv unterwegs. Unter anderem spiele er noch Fussball beim FC Gemeinderat – jawohl, den gebe es. An einem Sonntag könne er aber auch gut mal ein paar Stunden gemütlich Zeitung lesen.

Auf sein nach wie vor volles Programm und seine vielen Engagements angesprochen, schmunzelt der Alt-Gemeinderat. Manchmal habe er schon ein wenig Terminprobleme, gibt er zu, aber grundsätzlich passe es für ihn so, wie es jetzt sei. Seine verschiedenen Rollen könne er gut voneinander trennen, so Traber,
«Aber komisch ist es einfach, wenn ich jemanden im Sportbereich antreffe, den ich aber aus der Politik kenne. Ich bin dann wie in einer anderen Schublade drin. Und plötzlich kommt jemand aus der Politik-Schublade. Da habe ich manchmal etwas Mühe, diese Schublade zu wechseln.»

Quelle: lokalinfo.ch